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CD-160130 - ein tumorspezifischer hERG-Inhibitor
30.09.2010 12:56 von Wolfgang Tiedke
BlackSwan Pharma gibt heute neue Forschungsergebnisse zu seinem Wirkstoffkandidaten CD-160130 bekannt, die in den Laboren von Prof. Dr. Annarosa Arcangeli, Institut für experimentelle Pathologie und Onkologie der Universität Florenz, erzielt worden sind. Wie BlackSwan Pharma schon früher berichtete, konnte an B-CLL Zellen, gewonnen aus dem Blut von Leukämie-Patienten, eine Apoptose-induzierende Wirkung des Orphan Drug Wirkstoffs beobachtet werden, die hypothetisch auf eine Interaktion mit Ionenkanälen im Tumorgewebe zurückgeführt worden war.
Die Bedeutung des Ionenkanals hERG1 für die Entstehung und Progression von Blutkrebs wurde maßgeblich durch die umfangreichen Untersuchungen von Prof. Arcangeli demonstriert, die mit ihrer Arbeitsgruppe zu den weltweit führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Ionenkanal- und Krebsforschung zählt. Anhand dieser Untersuchungen konnte erstmals gezeigt werden, dass Tumorzellen (vorwiegend Neuroblastome und Leukämien) ein alternatives Transkript des herg1 Gens besitzen, herg1b, dass für ein N-terminal verkürztes Protein (hERG1B) kodiert. Obwohl herg1b auch im humanen Herzgewebe exprimiert wird, überwiegt dort die Expression von herg1a, während in Tumorzellen herg1b vorherrscht. Da die biophysikalischen Eigenschaften der Ionenkanäle in den Tumorzellen durch hERG1b bestimmt werden, könnte durch eine selektive Inhibierung dieses Ionenkanals ein neuartiger Ansatz zur Therapie insbesondere der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) möglich sein.
Im Rahmen ihrer bisherigen Arbeiten untersuchte die Gruppe um Prof. Arcangeli die Wirkung von CD-160130 auf verschiedene Zelllinien, die die unterschiedlichen hERG-Ionenkanäle exprimieren. Testergebnisse an HEK-239 Zellen, die ausschließlich die hERG1A-Untereinheit ausbilden, belegen, dass CD-160130 den Kaliumtransport mit einem IC 50 von 13 µM hemmt. Im Gegensatz hierzu konnte an der humanen Neuroblastomzelllinie SH-SY5Y und der humanen myeloiden Leukämiezelllinie FLG 29.1, die beide vorzugsweise die hERG1b Isoform exprimieren, nachgewiesen werden, dass CD-160130 bei diesen einen sechsfach stärkeren Effekt ausübt und damit eine Selektivität gegenüber der hERG1B-Untereinheit besitzt. Weitere Experimente bestätigten diese Selektivität gegenüber tumorspezifischen hERG1 Ionenkanälen. Nach Transfektion der hERG1B-Isoform in HEK-293 Zellen wurde das inhibitorische Potential von CD-160130 in Bezug auf diese Zellen mit seiner Wirkung auf HEK-293-hERG1A Zellen verglichen, wobei derselbe elektrophysiologische Stimulus angelegt wurde. Auch diese Daten bestätigen, dass CD-160130 die Funktion dieses Ionenkanals in HEK-293-hERG1B Zellen im selben Konzentrationsbereich hemmt wie in den zuvor untersuchten Tumorzellen.
Diese Ergebnisse zeigen erstmals, dass eine selektive Inhibierung der unterschiedlichen Isoformen dieses Ionenkanals möglich ist und damit eine neuartige Behandlungsstrategie bei der Therapie der CLL vorstellbar wird. Die Substanz CD-160130 ist weltweit der erste Wirkstoff der als selektiver Inhibitor des tumorspezifischen hERG Ionenkanals entwickelt werden soll.

